Interview mit Heris Stefanachi

Der 33-jährige Thurgauer mit Wohnsitz in Frauenfeld ist seit sechs Wochen Trainer beim FC Bazenheid. Wenige Tage vor dem Saisonstart am Samstag um 17 Uhr gegen Abtwil-Engelburg haben wir uns mit ihm unterhalten.

 

Heris Stefanachi 2

Heris, du bist seit Anfang Juli für die Mannschaft verantwortlich. Deine ersten Eindrücke.

Auf dieses Interview warte ich schon lange, habe mich als Spieler schon immer gefragt, wieso ich nie ein Interview beim FCB geben darf. (lacht) Zu den Eindrücken. Ich fühle mich sehr wohl im Verein und das ist für mich prinzipiell ein wichtiger Punkt. Die Zusammenarbeit mit Mannschaft und Vereinsangehörigen macht mir Spass.

Ich hoffe natürlich, dass sie lange dauern wird. Bazenheid war für mich schon immer ein spezieller Verein.

Gibt es keine Schwierigkeiten mit Spielern, mit denen du noch gemeinsam gespielt hast?

Nein, das Wichtigste ist das Trennen von Vergangenheit und Gegenwart. Die Vergangenheit interessiert mich nicht. Das ist eine neue Situation. Auch Privat und Platz muss kompromisslos getrennt werden. Das ist ein längerer Prozess, aber mit der richtigen Intelligenz der Spieler und des Trainers sollte das keine Schwierigkeiten geben. Im Gegenteil, es kann ein Vorteil sein, ich kenne Charakter, Stärken und Schwächen dieser Spieler schon.

Wurden deine Wünsche betreffend Personal erfüllt? Gibt es noch Baustellen?

Im Grossen und Ganzen ja, ich hätte mir noch einen Verteidiger mehr gewünscht, aber sonst bin ich mit der Kaderzusammensetzung charakterlich «wie auch qualitativ» zufrieden. Baustellen gibt es jedoch noch viele. Es fehlen noch Spielberechtigungen, wir haben verletzte Spieler, Spieler die aus Verletzungen kommen und die nötige Spielpraxis noch nicht haben. Es braucht momentan noch ein bisschen Geduld, das darf und wird aber kein Alibi werden. Mit meiner siebenjährigen Arbeitserfahrung auf Baustellen könnte ich der richtige Mann dafür sein. (lacht)

4-4-2, 4-3-2-1, 3-5-2. In letzter Zeit wird vielfach über die diversen Systeme debattiert. Wie sieht deine bevorzugte Taktik diesbezüglich aus?

Ich bevorzuge ein offensives 4-3-3 mit viel Tiefe und Ballbesitz, doch momentan sind wir aus verschiedenen Gründen nicht bereit, dieses System erfolgreich zu spielen und darum werden wir mit einem 4-4-2 in die Meisterschaft starten. Ein Trainer muss sich immer der Situation und der Mannschaft anpassen. Schlussendlich ist aber nicht das Spielsystem massgebend, sondern die offensive oder defensive Mentalität, die man der Mannschaft weitergibt.  

In den letzten zwei Jahren ist beim FC Bazenheid eher ein Abwärtstrend festzustellen. Wie gibt man Gegensteuer?

Mein erster Tipp: Den neuen Trainer lange behalten. (lacht) Spass beiseite, das ist ein wichtiges Argument. Längerfristig planen und ein klar strukturiertes Projekt sind in dieser Hinsicht sicherlich der richtige Weg.

Eine zweite Mannschaft in der 3. Liga sollte in Zukunft ein Ziel sein. Junge Talente beobachten und sie dann durch die zweite an die erste Mannschaft heranführen. Längerfristig würde sich diese Strategie sicherlich auszahlen.

Die Vorbereitung verlief, wenn man nur die Ergebnisse betrachtet, nicht wunschgemäss. Ist Besserung in Sicht?

Das sehe ich nicht so. Nach zwei positiven Tests gegen Montlingen und Kreuzlingen, konnten wir in den Heimturnieren die guten Leistungen nicht bestätigen. Vor allem die sehr schlechte Leistung gegen Uzwil am Bazenheider Cup hat mich sehr gestört. Das Spiel um Platz 3 gegen Wil U20 bewerte ich jedoch wieder als positiv. Anderseits die erste Halbzeit in Eschenbach war wiederum katastrophal. Wir haben sicherlich noch nicht die nötige Stabilität, unsere Formkurve darf von Spiel zu Spiel keine so grossen Schwankungen aufzeichnen. Aber wie bereits gesagt, Baustellen sind vorhanden, ganz klar. Ich bin jedoch zuversichtlich und wäre keine Besserung in Sicht, wäre das sicherlich ein grosses Problem. Geduld und Vertrauen, das Potential ist vorhanden.

Bisher warst du nur im Juniorenbereich als Trainer aktiv. Was sind die Unterschiede oder anders gefragt, auf was musst du bei den Aktiven achten?

Grosse Unterschiede. Aktive Fussballer nehmen mehr Eigenerfahrung mit, müssen technisch nicht wie Junioren ausgebildet werden (aber auf unserem Niveau ist jedoch viel Verbesserungspotential vorhanden) und vor allem, hier geht es primär um den Erfolg. Die Umgangsart ist auch ein wichtiges Thema, ich bevorzuge immer die direkte, ehrliche Art, kann manchmal schmerzhaft sein, aber so ist Fussball.

Als junger Trainer bei der ersten Erfahrung bei den Aktiven stehst du natürlich ständig unter Beobachtung, es braucht eine gewisse Zeit, bis du das nötige Vertrauen von den Spielern gewinnst, aber das ist für mich eine Frage von Persönlichkeit und Fussballerfahrung. Bist du gut, vertrauen sie dir, bist du schlecht, dann sprichst du nach kurzer Zeit alleine mit der Wand.

Am Samstag beginnt die Saison in Abtwil. Das Umfeld erwartet drei Punkte. Ist die Mannschaft bereit?

Physisch ja. Taktisch und mental noch nicht da, wo wir zu diesem Zeitpunkt sein müssten. Aber am Samstag um 17 Uhr in Abtwil werden wir für diese 95 Minuten bereit sein! Drei Punkte müssen immer unser Ziel sein.

Nebst Uzwil und Wil U20 zählt Bazenheid zu den Aufstiegsfavoriten. Teilst du diese Meinung und wie ist deine Einschätzung zu den anderen Mannschaften in der Gruppe?

Uzwil ist sehr eingespielt, Wil U20 hat ein gutes Potential. Auf dem Papier sind wir dabei, aber in der Realität suchen wir noch unsere Identität. Ob wir ein Aufstiegskandidat werden oder nicht, hängt davon ab, wie schnell wir unsere Identität finden werden. Natürlich muss das auch ohne grosse Punktverluste geschehen. Alles ist möglich. Die Gruppe betrachte ich als recht ausgeglichen, ich erwarte auch eine Überraschungsmannschaft.

Als Spieler warst du ein Schlitzohr, das nicht immer gleicher Meinung wie der Trainer war. Warum hat sich der FC Bazenheid gerade für dich entschieden, das zuletzt etwas schlingernde Schiff wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen?

Ich habe unter vielen Trainern gespielt, aber sehr wenige Trainer habe ich als gut betrachtet.  Mit den meisten habe ich ständig gestritten. Jetzt bin ich dran. Die Zeit und meine Spieler werden in Zukunft die Frage, ob ich ein guter Trainer bin, beantworten.

Wieso ich ausgewählt wurde, muss man die Beteiligten selber fragen. Ich hoffe aber, dass Persönlichkeit, das junge Alter und schlussendlich mein «krankes Herz für den Fussball», eine wichtige Rolle gespielt haben. 

Für diese Chance kann ich mich jetzt schon beim FC Bazenheid bedanken, egal, was von jetzt an passiert. Ich muss das Vertrauen zurückbezahlen.

Letzte Frage: Wo steht der FC Bazenheid am Ende der Saison?

Das behalte ich für mich.

 

Danke für das Interview und viel Glück in den kommenden Wochen und Monaten.

Beat Lanzendorfer

 

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