Fussball ist ein Menschenhandel

Pfister 26417Die Supporter des FC Bazenheid laden jedes Jahr an ihrer Hauptversammlung eine Persönlichkeit ein, die aus ihrem Leben erzählt. Am Montag war Weltenbummler Otto Pfister Gast im Restaurant Landhaus.

Was macht die Persönlichkeit Otto Pfister aus? Der bald 80-Jährige (24. November 1937) hat die Gabe, Geschichten so zu erzählen, dass ihm der Zuhörer an den Lippen hängt und ihm das Gehörte abnimmt. In Köln geboren, verspürte er schon in jungen Jahren einen Reisetrieb, der ihn in seinen mehr als fünf Jahrzehnten als Trainer rund um den Globus führte. «Ich habe mit Ausnahme von Australien in allen Kontinenten gearbeitet».

Was die Zuhörer im Saal zu hören bekamen, löste mehrfach schallendes Gelächter aus, regte aber auch zum Nachdenken an. «Wenn du mit afrikanischen Spielern arbeitest, kannst du denen nicht unsere Mentalität beibringen». Als Beispiel nannte er Berti Vogts, der 2008 Nigeria trainierte und dort die deutsche Disziplin einbringen wollte – es klappte nicht. «Es begann mit den Tischmanieren beim Essen, die in Afrika etwas anders als bei uns gehandhabt werden». Ein weiteres Beispiel ist das Hochhalten der Familientradition. Wer es in Europa schafft, unterstützt die Familie zu Hause. «Ein nicht unwesentlicher Faktor ist die Betreuung der Spieler. Es bringt nichts, einen zu holen, ihn in eine Zweizimmerwohnung zu stecken und darauf zu warten, dass er auf Knopfdruck Leistung abliefert.» Wenn es einer hingegen einmal geschafft hat, entwickelt er ein unbändiges Selbstbewusstsein. Afrikanische Spieler verfügen über eine grosse mentale Stärke.

Von teuren Uhren und noch teureren Autos

Mit der Aussage: «Alles was blinkt kaufen sie», kam der Referent auf das Thema Geld zu sprechen. Viele sind in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, haben bis zu ihrem 14. Lebensjahr kaum einen grösseren Geldschein zu Gesicht bekommen, nun werden sie plötzlich mit Geld überhäuft. «Ich weiss nicht, was Sie machen würden, wenn Sie den Jackpot bei den Euro Millionen ziehen würden», stellte Otto Pfister die Frage in den Raum, um gleich noch zwei Anekdoten aus seiner Zeit bei Togo anzuhängen. «Wir waren 2006 für die Weltmeisterschaft in Deutschland qualifiziert und im Vorfeld im Allgäu im Trainingslager. Bei einem Ausflug hat sich ein Spieler ein Auto für mehrere Hundertausend Euro gekauft, ein anderer erstand eine Uhr für 38000 Euro.» Beim Thema Geld kam er auf die undurchsichtige Rolle der Spielervermittler zu sprechen: «Es gab in den neunziger Jahren einen Spieler, der ist von seinem Agenten zwölfmal transferiert worden und hat sich dabei eine goldene Nase verdient. Der Spieler hingegen lebt heute mit ein paar wenigen Ersparnissen wieder zu Hause in Afrika. Fussball ist auf diesem Niveau ein Drecksgeschäft und ein Menschenhandel.»

Der Ball lässt ihn nicht los

Mit weiteren Geschichten, wie er einen Flugzeugabsturz in Burkina Faso verhindert, ein Bombenattentat in Beirut überlebt und zum korrekten Umgang mit Prinzen aus Saudi Arabien, beendete Otto Pfister sein Referat mit der Bemerkung: «Ich bin gerne nach Bazenheid gekommen, ich wohne ja praktisch um die Ecke». Auch mit bald 80 Jahren kommt der Weltenbummler, der seit Jahrzehnten seinen Lebensmittelpunkt in Mels hat, vom Fussball nicht los. So unterschrieb er im Februar einen Vertrag als Trainer der afghanischen Nationalmannschaft, mit dem Ziel, sich für den Asien-Cup 2019 zu qualifizieren. «Die Spieler sind auf der ganzen Welt verteilt, trainiert wird in Dubai und Kuwait.»

Die Kontaktaufnahme mit Otto Pfister verlief nach Aussage von Hans «Hasä» Stadler, Sportchef und Beisitzer der Supporter, genauso unkompliziert, wie der Auftritt am Montagabend. «Ich habe im Januar ein Interview mit ihm gelesen und wusste sofort, diesen Mann möchte ich nach Bazenheid holen. Ich habe ihn dann persönlich angeschrieben, zwei Tage später kam bereits die Zusage.»
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