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Rücktritt Dejan Baumann

Dejan Baumann tritt nach zwei Jahrzehnten als Spieler ab, bleibt dem FC Bazenheid aber als neuer Sportchef erhalten. «Ich bin eine treue Seele», sagt Baumann, «wenn es mir gefällt, so bleibe ich.» 

 

Den Entschluss als Spieler abzutreten, hat der bald 38-jährige Dejan Baumann bereits vor dem Start der kürzlich abgebrochenen Saison gefasst. Das plötzliche Aus entspricht aber keineswegs seinem Gusto. «Klar hätte ich mir einen schöneren Abschied gewünscht. Ich freute mich schon im Dezember auf den Rückrundenstart, weil ich mich auf den diversen Fussballplätzen gerne persönlich verabschieden wollte», sagt der Fussballer, der beim FC Bazenheid zweifellos jener Spieler ist, der die jüngste Vergangenheit des Vereins entscheidend mitgeprägt hat. Baumanns Pläne sind aber durch die Coronakrise durchkreuzt worden. 

Es sei so, wie es ist, nun wolle er sich ganz auf seine neue Aufgabe als Sportchef beim Toggenburger Zweitligisten konzentrieren, betont Baumann. Der vorzeitige Abbruch der Saison habe auch Vorteile: «Es bleibt sehr viel Zeit, die neue Spielzeit zusammen mit Trainer Raffael Spescha aufzugleisen. Wir sind absolut überzeugt, dass der FC Bazenheid in der neuen Saison wieder ein anderes Gesicht zeigen wird. Wir wollen wieder begeistern und tun alles, die richtige Mannschaft dafür zusammenzustellen.»

Für einen Linksfuss keine Verwendung

Erste Spuren im Fussball hinterliess Dejan Baumann beim FC Wil, er trat mit fünf Jahren der Fussballschule bei. «Ich durchlief alle Juniorenstufen bis zur U19.» Der Sprung in die erste Mannschaft blieb ihm aber verwehrt. «Hanspeter Latour, der damalige Trainer beim FC Wil, hatte für einen Linksfuss wie mich keine Verwendung», sagt Baumann und lacht. Nach einem Probetraining beim FC St. Gallen hätte er zur dortigen U21 wechseln können, zog aber das Angebot des FC Bazenheid vor. 

Die Alttoggenburger schafften vor zwanzig Jahren die Qualifikation der neu geschaffenen 2. Liga Interregional und verpflichteten mit Roli Näf jenen Trainer, mit dem Baumann schon in Wil zu tun hatte. «Dies hat meinen Entscheid sicher beeinflusst.» Vor zwei Jahrzehnten ahnte er es noch nicht, aber sein Wechsel war für ihn und den Verein der Beginn einer erfolgreichen Epoche. Aufwärts ist es aber nicht immer gegangen, der FC Bazenheid musste zweimal sogar einen Abstieg in Kauf nehmen. «Jenen im Jahre 2002 kann ich nicht mehr richtig einschätzen, ich war wohl noch zu jung. Über denjenigen in der Saison 2011/2012 ärgere ich mich noch heute. Wir hatten eine super Mannschaft und wollten vorne mitspielen – doch es kam ganz anders.» 

Konnte der Absturz vor 18 Jahren nur zwölf Monate später mit dem Wiederaufstieg korrigiert werden, brauchte es nach dem Abstieg von 2012 fünf Anläufe, die Rückkehr in die 2. Liga Interregional zu bewerkstelligen.

Zwei Trainer haben Baumann geprägt

Bei beiden Aufstiegen standen jene Trainer an der Linie, welche Baumann nach eigener Aussage am meisten geprägt haben – Adrian Allenspach und Heris Stefanachi. «Vor zwanzig Jahren haben Adi Allenspach und ich gleichzeitig vom FC Wil auf den Ifang in Bazenheid gewechselt. Er kam von der ersten Mannschaft, ich vom Nachwuchs.» 

Nach zwei Jahren als Spieler hat Allenspach seine Trainerkarriere beim FC Bazenheid lanciert und schaffte auf Anhieb den erwähnten Aufstieg. Dejan Baumann: «Unter ihm habe ich eine unglaubliche Entwicklung gemacht. Ich war als Flügel gekommen, spielte auch im zentralen Mittelfeld und erlebte meine eigentliche Blüte, als mich der Trainer mangels Alternativen links hinten aufstellte.» Als Allenspach fünf Jahre später zum FC Tuggen weiterzog, wo er heute noch tätig ist, nahm er Baumann gleich mit. «Ich wollte ausloten, was möglich ist und ob ich in der 1. Liga bestehen kann», erzählt Baumann. Er konnte. Zwei Spiele bleiben ihm aus seinem zweieinhalbjährigen Abstecher zu den Schwyzern speziell in Erinnerung. «Wir haben in der ersten Hauptrunde des Schweizer Cups Challengeligist Schaffhausen rausgeworfen, dabei gelang mir der vierte Treffer beim 4:1-Sieg.» In der zweiten Runde lag Tuggen gegen Winterthur bis zur 89. Minute vorn, ehe sich der Unterklassige mit 1:2 nach Verlängerung geschlagen geben musste.

Höhepunkt in der sportlichen Karriere

2010 kehrte Baumann ins Toggenburg zurück. Ab der Saison 2013/14 bekam er es dann mit Heris Stefanachi zu tun, jener Persönlichkeit, «die mich aus meinem Seniorendasein befreit hat». Er habe es damals nicht mehr so ernst genommen, sei wohl auch nicht mehr ganz so fit gewesen. «Heris konnte mich neu motivieren, es hat mich nochmals gepackt. Unter ihm wurde ich auch zum spielauslösenden Innenverteidiger. Er hat sicher einen grossen Teil dazu beigetragen, dass ich so lange gespielt habe.»

Als Höhepunkt seiner Karriere bezeichnet Baumann die Saison 2016/2017. Er sagt: «Auslöser war der 2:1-Cupsieg gegen den Erstligisten Red Star.» Anschliessend bekamen die Toggenburger die Berner Young Boys zugelost. «Wir waren stark unterwegs und kassierten erst kurz vor der Pause das 0:1. Als gleich nach dem Seitenwechsel das 0:2 fiel, war die Sache gelaufen.» Trotz 1:7 erinnert sich Baumann gerne an jenes Ereignis zurück. Am Ende der Spielzeit folgte die Krönung: Bazenheid stieg mit 66 Punkten aus 22 Spielen in die 2. Liga Interregional auf. Die Glücksgefühle von damals seien mit Worten fast nicht zu beschreiben. «Trotz der jeweiligen Enttäuschungen der zweiten Plätze blieb die Mannschaft zusammen und arbeitete weiter hart und verbissen für das Ziel Aufstieg. Wenn man nach so vielen Rückschlägen zusammen das Ziel mit dem Punktemaximum endlich erreicht, ist das unglaublich.» Zur Erinnerung: Bazenheid verpasste in den drei Jahren davor als punktgleicher Tabellenzweiter jeweils den Aufstieg wegen der schlechteren Fairnesswertung.

Vererbt wird erst nach dem Rücktritt 

Baumann, der beim Stahlhändler Schmolz und Bickenbach in Wil als Teamleiter Verkauf/Aussendienst arbeitet, hat den Entschluss gefasst, das Amt des Sportchefs zu übernehmen. Weshalb? Er hätte schon vor ein paar Jahren mit Sportchef Hans Stadler vereinbart, dass er ihn einmal als Nachfolger beerbe, allerdings erst nach seinem Rücktritt als Spieler. «Ich bin eine treue Seele und wenn es mir irgendwo gefällt, dann bleibe ich auch. Es war immer klar, dass ich mich weiterhin im Verein engagiere, denn ich fühle mich als Teil der FCB-Familie.»

Eine Familie hat Dejan Baumann auch ausserhalb des Fussballs gegründet. Er und Ehefrau Carina sind Eltern des 20 Monate alten Devin und im Juli wird weiterer Nachwuchs erwartet. 

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